Über mich...

Als ich 1989 das erste Mal ein Buch über Patchworkquilts in die Hand bekam, konnte ich noch nicht ahnen, wozu das einmal führen würde.

Handarbeiten und Basteln hat mich von Kindesbeinen an begeistert. Ich habe gestrickt, gehäkelt, gestickt und geknüpft, Schmuck für meine Puppen aus Silberdraht gebastelt und Kleider für sie genäht. Glasritzen, Glasmalen, Miniaturmalerei und Kalligrafie kamen später auch noch dazu. Je filigraner und feiner eine Technik war, desto mehr sprach sie mich an. Lange bei einem Hobby geblieben bin ich allerdings nicht – bis zu dem Tag in meiner Lieblingsbuchhandlung in Hamburg.

Was mich an den Quilts so faszinierte war die unendliche Vielfalt und das Spiel mit Formen und Farben. Lange habe ich nicht gezögert, bis ich meinen ersten Quilt zu nähen begann: ein Sampler aus vier Unistoffen in Blautönen, von Hand genäht und die Stoffteile mit Schere und Pappschablonen zugeschnitten. Irgendwann war das Top dann fertig, mit Rückseite und Polyestervlies geheftet und ich begab mich auf die Suche nach einem Quiltrahmen aus Holz, so wie er in meinem Buch beschrieben war. Nach einigen Wochen intensiver Suche fand ich endlich einen Handarbeitsladen, der mit einen solchen Rahmen bestellen konnte.

Meine ersten Quiltstiche waren alles andere als klein und gerade. Mit der beschriebenen Technik kam ich nicht zurecht, der Metallfingerhut störte mich und es war eher Quälerei als Freude, die ich beim Quilten empfand. Aber ich gab nicht auf und probierte weiter, veränderte die Nadelhaltung, die Quiltrichtung, die Spannung im Rahmen usw., bis ich endlich zu einem für mich zufriedenstellenden Ergebnis kam und es begann, mir Spaß zu machen – sogar so viel Spaß, dass ich noch während ich an meinem Sampler arbeitete das Patchen als notwendiges Übel empfand, das offenbar nun mal sein musste, wenn man hinterher quilten wollte.

Noch bevor ich das zweite Quilttop zu nähen begann, fand ich das Buch „The Essential Quilter“ von Barbara Chainey (Verlag David & Charles, 1993. ISBN 07153 9985 3) in bereits erwähnter Buchhandlung. Es war fast wie eine Offenbarung: die dort gezeigten Quilts, gearbeitet nach der englischen und walisischen Quilttradition, waren nicht oder kaum gepatcht! Die Quilttops bestanden aus einfarbigen Stoffen bzw. aus breiten Streifen und waren somit ausschließlich durch die Vielfalt und Üppigkeit der Quiltornamente gestaltet. Sie lebten durch die Strukturen und wirkten durch das Spiel von Licht und Schatten auf ihrer Oberfläche.

Ich konnte das Buch kaum noch aus den Händen legen, stundenlang betrachtete ich die Bilder und mir war ganz klar: solche Quilts wollte ich machen. Und somit begann ich nach einer Anleitung aus Barbara Chaineys Buch meinen zweiten Quilt, einen Strippy in den Farbtönen Gold, Rostbraun und Weinrot(zu sehen in der Galerie unter dem Namen „Bars“. 1995 stellte ich ihn fertig und 1997 gewann er bei den Europäischen Quiltmeisterschaften in den Niederlanden einen ersten und einen dritten Preis.

Danach habe ich noch insgesamt 6 Patchworkquilts genäht, wovon einer noch mir gehört und täglich benutzt wird. Die anderen wurden an Mutter, Schwiegermutter und Schwester verschenkt und einer verkauft.

Die Muster für meinen ersten Wholecloth („Mondstein“) fand ich ebenso in dem Buch von Barbara Chainey. Es sind traditionelle nordenglische Muster wie Federn (Feathers), Rose (Rose) und Hammock (Hängematte). Er ist aus Nessel gearbeitet und ziert heute das Schlafzimmer meiner Schwiegereltern.

Angeregt durch Barbara Chaineys Buch beschäftigte ich mich nun nicht nur mit der Herstellung von Wholeclothquilts, sondern auch mit deren nordenglischer und walisischer Geschichte. Ich begann alle Bücher zu sammeln, die ich zu diesem Thema fand – das älteste ist von 1935 - und erfuhr so viele interessante Dinge über diesen Teil der europäischen Quiltkultur und -geschichte. Bis heute verwende ich für meine Arbeiten sehr gerne die traditionellen Muster und Gestaltungselemente der englischen und walisischen Quilts, deren Abbildungen ich in den Büchern finde. Im Laufe der Jahre sind zahlreiche Wholecloth- und auch Strippy-Quilts entstanden und ihre Faszination hält mich nach wie vor gefangen.

Mittlerweile entwerfe ich viele meiner Muster selbst und zeichne bzw. quilte sie aus freier Hand. Wenn ich einen neuen Quilt beginne habe ich meistens nur eine grobe Vorstellung davon, wie das fertige Stück aussehen soll. Entwurfszeichnungen fertige ich nicht an. Die Quilts wachsen und entstehen, während ich an ihnen arbeite, so manche ursprüngliche Idee wird während dieses Prozesses verworfen und neue werden entwickelt. Somit bleibt die Arbeit an einem Quilt immer spannend und wird nie langweilig. Strukturen und Kontraste, entstanden durch Licht und Schatten auf der Oberfläche des Quilts, sind das Hauptmerkmal der Wholecloths und bieten eine unendliche Vielfalt von Möglichkeiten mit Hilfe einer einfachen Handwerkstechnik. Im Prinzip kann man jede gezeichnete Linie auch quilten – aber das Quilten erzeugt nicht nur eine Linie, sondern auch Struktur und Tiefe.

Wholeclothquilts vereinen die Dinge in sich, die meine Seele zum Klingen bringen: Farben, Vielfalt, filigrane Details und unendlich viele Gestaltungsmöglichkeiten. Ich finde dort die Natur, ihre Formen und Farben, ihre Perfektion und Stimmigkeit. Wahrscheinlich bin ich deshalb schon so lange und immer wieder aufs Neue begeistert von ihnen. Ich gebe meinen Quilts die Namen von Edelsteinen, denn sie haben einiges gemeinsam: die Farbenvielfalt, ihre Einzigartigkeit und die Tatsache, dass sie sehr wertvoll sind. Und wenn ich für jeden Edelstein, den es auf der Welt gibt, einen Quilt machen will – dann habe ich noch sehr lange und sehr viel zu tun. 

Noch ein paar Worte zur Technik des Handquiltens:

  • Als Autodidaktin habe ich mir im Laufe der Jahre eine Quilttechnik zurechtgelegt, die in einigen Punkten nicht den traditionellen und oft in Büchern dargestellten entspricht:
  • Ich quilte ohne Fingerschutz, sowohl auf der rechten (bei mir nadelführenden) als auch auf der linken (unten liegenden) Hand.
  • Beim Einstechen der Nadel durch die drei Lagen eines Quilts steche ich mich nicht in den unten liegenden Finger – der befindet sich ein ganzes Stück entfernt von der Einstichstelle.
  • Ich mache einzelne Stiche und ziehe die Nadel nach jedem Stich an der Oberseite des Quilts wieder heraus, somit benötige ich keinen Nadelzieher.
  • Ich kann am besten nur in eine Richtung quilten (schräg auf mich zu) und benötige somit einen drehbaren Quiltrahmen.
  • Der Daumen meiner rechten Hand liegt nicht vor der Nadelspitze, sondern auf der Nadel kurz vor dem Nadelöhr.
  • Und zu guter Letzt führe ich die Nadel nicht mir einem Fingerhut auf dem rechten Mittelfinger, sondern ich halte fast nur noch den Faden zwischen Daumen und Zeigefinger und kann die Neigung der Nadel damit lenken

Vielleicht denkt der eine oder andere, dass diese Technik kein „richtiges“ Quilten ist. Für mich jedoch gibt es kein „falsch“ oder „richtig“ – nur ein „gut für mich“ oder „nicht gut für mich“. Heutzutage gibt es eine Unmenge an Hilfsmitteln zum Handquilten und was für den einen gut ist, kann für den anderen nicht gut sein. Am besten ist, es auszuprobieren. Nur so findet jeder seinen persönlichen Weg zum und mit dem Handquilten. Für mich zählt in erster Linie das Ergebnis. Der Weg dorthin ist vielfältig. Quilten ist wie eine Handschrift  - eben einzigartig und individuell. 

Es liegt mir sehr am Herzen, an dieser Stelle einige Persönlichkeiten aus der Quilterwelt zu erwähnen, von denen ich einigen nie begegnen durfte und anderen hoffentlich noch begegnen werde. Ihre Arbeiten und Bücher inspirieren  und begeistern mich immer wieder aufs Neue:

Amy Emms MBE, Elizabeth Sanderson, Mavis Fitzrandolph, Florence Fletcher, Elizabeth Hake, Averil Colby, Barbara Chainey, Sandie Lush, Lilian Hedley…

… und all die Quilter aus früherer und heutiger Zeit, deren Namen mir (noch) nicht bekannt sind oder die ich hier vergessen habe aufzuführen. Ich bin ihnen allen sehr dankbar und auch ein wenig stolz, dass ich die Kunst des Handquiltens ausüben kann und darf.

Zum Abschluss ein Zitat von Mavis Fitzrandoph aus Ihrem Buch „Traditional Quilting“ (1954, B.T. Batsford Ltd., London):

„The quilting tradition is a skill from the living past which remains alive, enabling the quilter of today to create new beauty. It is in her hands, and in the hands of all who teach quilting, to see that it is passed on alive in the future.”

Ich hoffe, dass auch ich dazu beitragen kann, die Tradition des Quiltens am Leben zu erhalten.

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